Nachruf auf Hildegard Matthäus

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Der Eulenorden hat eine große Persönlichkeit verloren

Hildegard Matthäus ist am 6. März 2020 kurz vor Vollendung des 85. Lebensjahres verstorben und am 13. März 2020 im engsten Familienkreis beigesetzt worden.

Hildegard Matthäus war examinierte Lehrerin. Sie engagierte sich schon früh in der Stadtpolitik. Ihre politische Laufbahn war lang und außergewöhnlich. Mit großem Respekt erinnern sich die Ritter des Eulenordens an das Leben und Wirken der leidenschaftlichen Politikerin, die 1990 in den Eulenorden aufgenommen wurde, wofür die Satzung des Eulenordens geändert werden musste. Sie hatte es absolut verdient, als erste Frau mit dem Eulenorden geehrt zu werden und damit die Männerdomäne aufzumischen. In den begleitenden Texten zur Aufnahme in den Eulenorden ist zu lesen: „Was das Zündholz für den Benzintank ist die Widder-Frau Hildegard Matthäus für müde kulturelle Männer!“

Hildegard Matthäus war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande und I. Klasse, wurde mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Ehrenring der Stadt Oberhausen ausgezeichnet. Als Landtagsabgeordnete von 1975 bis 1995 und als Stadtverordnete im Rat der Stadt Oberhausen von 1964 bis 1999 hat sie ihre Spuren hinterlassen. Auch als Senatsehrenpräsidentin der Großen Osterfelder Karnevalsgesellschaft widmete sie sich insbesondere dem kulturellen Leben in der Stadt und im Land.

Humorvoll schaltete sie sich jährlich in das Karnevalsgeschehen ein, und das insbesondere seit 1983, als sie in den Senat der GOK aufgenommen wurde. Es bildete sich ein neuer Schwerpunkt für sie. Sie war stets sehr bemüht, die Freundschaft zwischen der GOK, der Marinekameradschaft Osterfeld und der Besatzung des Patenbootes „Häher S 51“ im Marinehafen Olpenitz zu vertiefen. Als Senatspräsidentin führte sie das Stadtkinderprinzenpaar in den Landtag ein. Ihre „närrische Weisheit“ machte sie jährlich durch ihre aus dem üblichen Rahmen fallenden, phantasievollen Kostüme deutlich – insbesondere beim Sturm aufs Rathaus.

Hildegard Matthäus hatte den Humor am richtigen Fleck und zur passenden Gelegenheit auch parat. Das feine Gespür für das richtige Wort zur rechten Zeit zeichnete sie aus. Man musste sich eher immer wieder neu mit einer stets liebenswerten Streiterin auseinandersetzen. Von Quotenregelung hielt sie nichts, gleichwohl setzte sie sich streitbar auf allen Ebenen für die Belange der Frau in der Gesellschaft ein, so auch in Oberhausen als langjährige Vorsitzende der Frauen-Union der CDU. Ihr Ziel war es       u. a., die Stadt Oberhausen als Kulturstadt zu fördern, zu verbessern und immer wieder neue Akzente zu setzten – das galt für die Burg Vondern wie für das Schloss Oberhausen, in dem sie über Jahre wohnte. Sie pflegte einen intensiven Austausch mit den Kulturschaffenden der Stadt. Dabei war ihr der Erhalt des Gasometers eine Herzensangelegenheit.

Mit Hildegard Matthäus verlieren die Ritter des Eulenordens eine mutige, gestaltungsfreudige Persönlichkeit, um die es in den letzten Jahren etwas still geworden war; Alter und Krankheit erzwangen den Tribut.

Wir werden Hildegard Matthäus ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

Mit stillem Gruß

Walter Paßgang